Tierkommunikation: Wie funktioniert das eigentlich?

Aktualisiert: 9. Aug.
«Wie soll das eigentlich funktionieren?» Diese Frage begegnet mir immer wieder, wenn Menschen zum ersten Mal von Tierkommunikation hören. Und ehrlich gesagt: Ich habe sie mir früher selbst gestellt.

Vor über 20 Jahren besuchte ich meinen ersten Kurs bei René Bonanomi. Es ging damals nicht um Tierkommunikation, sondern um Medialität. Rückblickend waren es aber genau dieselben Wahrnehmungsprozesse, die ich heute in der Tierkommunikation nutze. Ich erinnere mich noch gut daran, wie skeptisch ich war. Die Vorstellung, etwas wahrnehmen zu können, das man weder sieht noch hört oder anfassen kann, war für mich damals irgendwie nicht so wirklich nachvollziehbar.
Wie Wahrnehmung entsteht
In einer der ersten Übungen sollten wir einem Kurspartner gegenübersitzen, die Augen schliessen und uns ganz auf die Person vor uns einstimmen. Keine Strategie, kein Nachdenken – nur beobachten und wahrnehmen, was auftaucht. Informationen können zum Beispiel Bilder, Gefühle oder Gerüche sein, manchmal auch eine Körperempfindung.
Nehmen wir an, ich erhalte das Bild einer Spritzkanne. Für sich allein bedeutet dieses Bild noch nicht viel. Es ist zuerst einfach ein Eindruck. Der eigentliche Teil beginnt erst danach: Ich bleibe bei diesem Bild und nehme weiter wahr. Was verändert sich in mir, wenn ich mich auf die Spritzkanne konzentriere? Wird das Gefühl leichter oder schwerer? Kommt Freude dazu, Traurigkeit, Wärme, Enge oder vielleicht ein bestimmtes Körpergefühl? Vielleicht zeigt sich ein Gefühl von Leichtigkeit. Dann könnte die Spritzkanne mit einer schönen Erinnerung verbunden sein. Vielleicht wird das Gefühl aber schwerer, und ich nehme eher Verlust, Sehnsucht oder Traurigkeit wahr.
Es geht also nicht darum, sofort zu wissen: «Die Spritzkanne bedeutet genau das.» Vielmehr entsteht die Bedeutung Schritt für Schritt aus mehreren Eindrücken. Auf diese Weise entsteht aus einzelnen Bildern, Gefühlen und Wahrnehmungen nach und nach ein Gesamtbild. Dinge, die anfangs keinen Zusammenhang zu haben scheinen, ergeben auf einmal Sinn und beantworten Fragen, die man mit dem ersten Eindruck allein wahrscheinlich nicht hätte beantworten können.
Gerade am Anfang ist es wichtig, jeden Eindruck mit dem Gegenüber überprüfen zu können. Ohne diese Rückmeldung hat man sonst schlicht keine Ahnung, ob das Wahrgenommene irgendetwas trifft oder nicht. Dabei ist es wichtig, möglichst wenig Informationen zu erhalten, damit die eigene Wahrnehmung nicht beeinflusst wird. Ein einfaches Ja oder Nein reicht, um zu erkennen, ob man in die richtige Richtung geht oder nochmals neu ansetzen muss. So nähert man sich Schritt für Schritt dem an, was tatsächlich stimmig ist. Mit der Zeit und durch viel Übung wächst das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung.
Wie ich diese Wahrnehmung in der Tierkommunikation nutze
Genau so arbeite ich auch in der Tierkommunikation. Wenn ich mich mit einem Tier verbinde, geht es zunächst darum, wahrzunehmen, wer dieses Tier eigentlich ist. Wie fühlt es sich an? Was zeigt es mir? Welche Bilder, Gefühle oder Gedanken tauchen auf, wenn ich mich auf seine Energie einstimme?
Dabei entsteht nicht sofort eine fertige Antwort. Wie bei der Übung mit der Spritzkanne sind es zunächst einzelne Eindrücke, die sich zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Mit den Fragen des Tierhalters im Hintergrund gehe ich diesen Eindrücken weiter nach und beobachte, was sich zeigt. So werden Zusammenhänge sichtbar, die helfen, die Fragen besser zu verstehen und zu beantworten.
Ob Katze, Hund, Pferd oder Schildkröte spielt dabei keine Rolle. Auch die Distanz ist nicht entscheidend – das Tier muss nicht bei mir sein.
Kann das wirklich jeder lernen?
Für Menschen, die mit Tierkommunikation noch keine Erfahrungen gemacht haben, klingt das manchmal ein bisschen ungewöhnlich. Und das ist völlig verständlich. Ich bin aber überzeugt, dass die meisten Menschen solche Momente bereits erlebt haben – nur ohne sie bewusst einzuordnen. Vielleicht hast du schon einmal intensiv an jemanden gedacht und kurz darauf meldete sich genau diese Person. Oder du hattest ein starkes Gefühl für einen Moment, der sich später tatsächlich genau so gezeigt hat.
Für mich sind das Hinweise darauf, dass Wahrnehmung oft leiser ist, als wir erwarten – aber nicht weniger real. Deshalb glaube ich auch: Tierkommunikation ist nichts, das nur «besondere Menschen» können. Es ist etwas, das man lernen und entwickeln kann. Manche Menschen finden den Zugang schneller, andere brauchen mehr Übung. So wie bei jeder anderen Fähigkeit auch.
Tierkommunikation ersetzt keinen Tierarzt
Eines ist dabei aber immer wichtig: Tierkommunikation ersetzt keinen Tierarzt. Wenn gesundheitliche Beschwerden oder körperliche Probleme vorliegen, gehören diese in fachkundige medizinische Hände.
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